Start der Frühjahrstagung des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes in Magdeburg
Frühjahrstagung der Hausärztinnen und Hausärzte startet in Magdeburg
Primärversorgungssystem: Hausärzteschaft warnt vor „Point of no Return“
Magdeburg, 24.04.2026 – Zum Start der Frühjahrstagung des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes, gemeinsam mit dem Hausärzteverband Sachsen-Anhalt, warnt der Verband das Bundesgesundheitsministerium davor, das Primärversorgungssystem durch fahrlässige Maßnahmen noch vor Reformstart zu zerschlagen. Die Hausarztzentrierte Versorgung (HZV), als einziges bisher existierendes Reformelement, müsse um jeden Preis gestärkt werden, statt – wie im aktuellen GKV-Spargesetz angedacht – ihr Wachstum finanziell zu sanktionieren. „Das Primärversorgungssystem hat das Zeug, die größte Gesundheitsreform dieser Legislatur zu werden – wenn sie im Vorhinein nicht torpediert wird. Aktuell zeigen leider die Bemühungen der Ministerin in die falsche Richtung. Aber: Es ist noch nicht zu spät, den richtigen Weg einzuschlagen“, sagen die Bundesvorsitzenden des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes, Professor Dr. Nicola Buhlinger-Göpfarth und Dr. Markus Blumenthal-Beier.
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken will noch bis Sommer einen Referentenentwurf für die Umsetzung eines Primärversorgungssystems veröffentlichen. Kerngedanke eines solches Systems ist eine bessere Strukturierung der Patientenversorgung, beginnend in der eigenen Hausarztpraxis. Diese übernimmt die Behandlung und koordiniert, wann nötig, in den richtigen Versorgungsbereich. In Deutschland gibt es mit den Verträgen zur Hausarztzentrierten Versorgung (HZV) bisher ein freiwilliges Primärversorgungssystem. Diese Verträge sollen ein Kernelement der geplanten Reform sein.
„Der Plan ist gut und richtig. Aktuell steuern wir mit den angedachten Maßnahmen aber auf einen ‚Point of no Return‘ zu“, warnt Buhlinger-Göpfarth und verweist auf den aktuellen Referentenentwurf des GKV-Spargesetzes. Darin ist unter anderem ein finanzieller Abschlag bei einem Wachstum der Anzahl der an der HZV teilnehmenden Versicherten geplant – heißt: Je mehr Patientinnen und Patienten sich für eine gesteuerte Versorgung entscheiden, desto weniger bekommen die steuernden Ärztinnen und Ärzte. „Diese künstliche Sanktionierung einer effizienteren Versorgung ist vollkommener Kokolores. Statt beim Wachstumskurs des einzigen aktuell funktionierenden Primärversorgungssystems den Turbo einzuschalten, würde volle Kanne die Bremse reingehauen. Damit tritt sich die Ministerin selbst und ihrer Reform vors Schienbein. So wird nix aus dem geplanten Vorhaben!“
„Die gute Nachricht ist: Es ist noch nicht zu spät, die Reißleine zu ziehen. Das Spargesetz ist noch im Anfangsstadium, ein Referentenentwurf fürs Primärversorgungssystem ist erst angekündigt. Noch hat die Ministerin also Zeit, die richtigen Weichen zu stellen. Sie sollte dabei dringend auf diejenigen hören, die die Reform nicht nur stemmen müssen, sondern mit der HZV auch seit bald zwanzig Jahren erfolgreich umsetzen. Wir Hausärztinnen und Hausärzte stehen bereit – einige Bedingungen sind für uns aber nicht diskutierbar! Die HZV und ihr Wachstum stehen da an Nummer eins! Nur so kann und wird diese Reform fliegen. Dafür muss die Ministerin aber auch endlich auf unsere Argumente statt nur auf die Einflüsterungen der Kassenfunktionäre hören“, so Blumenthal-Beier.
Auf der Frühjahrstagung werden die rund 120 hausärztlichen Delegierten unter anderem in einem Leitantrag zu den aktuellen Sparmaßnahmen in der HZV Stellung beziehen. Daneben werden sie in zwei weiteren Leitanträgen die Rahmenbedingungen und Strukturmerkmale für ein funktionierendes Primärversorgungssystem definieren. Die Frühjahrstagung findet am 24. und 25. April im Maritim Hotel Magdeburg statt. Am Freitag wird die Bundesspitze in ihrem Bericht zur Lage Stellung zu den aktuellen gesundheitspolitischen Themen nehmen.
Die Frühjahrstagung wird unter www.haev.de im Livestream übertragen. Die Presseunterlagen werden unter www.haev.de/pressefjt2026 zur Verfügung gestellt. Medienvertreterinnen und -vertreter, die Zugang zum Antragsportal benötigen, wenden sich bitte an die Pressestelle.
Hausärztinnen- und Hausärzteverband e. V.
Finia Schultz
Pressesprecherin
Bleibtreustraße 24 ∙ 10707 Berlin
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