Pressestatement zur Studie „Delegation im Praxisteam: Ein starker Hebel für die Sicherung der Versorgung“

Pressestatement

Berlin, 02.03.2026 – Zu der heute von der Bertelsmann Stiftung veröffentlichten Studie „Delegation im Praxisteam: Ein starker Hebel für die Sicherung der Versorgung“ erklären die Bundesvorsitzenden des Hausärztinnen- und Hausärzteverbands, Prof. Dr. Nicola Buhlinger-Göpfarth und Dr. Markus Beier:

 

„Die Studie belegt eindrucksvoll, dass Delegationskonzepte ein zentraler Hebel sind, um die hausärztliche Versorgung in Zukunft sicherzustellen. Nur, wenn wir die Arbeitslast innerhalb der Praxen auf mehr Schultern verteilen, können wir die Versorgung unserer alternden Bevölkerung auch in Zukunft in gewohnter Qualität sicherstellen. Das ist genau das, was wir als Hausärztinnen und Hausärzte seit vielen Jahren vertreten und fordern.

Das Versorgungskonzept „Hausärztliches Primärversorgungszentrum – Patientenversorgung Interprofessionell“, kurz HÄPPI, ist bereits erprobt und zeigt, wie es in Zukunft funktionieren kann: Jede Fachkraft versorgt Patientinnen und Patienten nach ihren jeweiligen Kompetenzen in der Hausarztpraxis. Nicht jede Routinekontrolle einer gut eingestellten Patientin mit Bluthochdruck muss beispielsweise zwingend von einer Ärztin oder einem Arzt gesehen werden. Das können auch entsprechend weitergebildete nicht-ärztliche Fachkräfte innerhalb der Praxen übernehmen.

Der entscheidende Punkt ist, dass die Versorgung auch in Zukunft klar an einer Stelle gebündelt wird. Statt immer neue Anlaufstellen für die Patientinnen und Patienten zu schaffen, sollten die verschiedenen Fachkräfte unter dem Dach der Hausarztpraxis und unter der Verantwortung der Hausärztin beziehungsweise des Hausarztes im Team arbeiten. Zum einen sorgt das für klare Versorgungsstrukturen, zum anderen ist so sichergestellt, dass im Zweifel die Ärztin oder der Arzt im Nebenzimmer immer ansprechbar ist. „Arztpraxen light“, in denen keine Ärztinnen und Ärzte arbeiten, und ähnliche Modelle lehnen wir kategorisch ab.

Damit sich Teampraxisstrukturen durchsetzen können, braucht es grundlegende Änderungen bei den rechtlichen Rahmenbedingungen und den Honorarstrukturen im Kollektivvertrag. Bisher wird in der Regel nur bezahlt, was über den Schreibtisch der Ärztin oder des Arztes geht. Die Arbeit unserer Teams wird hingegen von den Krankenkassen kaum honoriert. Statt eines Arzt-Patienten-Kontaktes muss in Zukunft der Praxis-Patienten-Kontakt der Maßstab sein.

Klar ist: Moderne Teamversorgung wird es nicht zum Nulltarif geben. Es braucht zielgerichtete Förderungen, denn die Praxen können diesen Strukturwandel nicht allein schultern. Während einige Kassen das erkannt haben und entsprechend handeln, halten andere zwar gern Sonntagsreden, wenn es an die konkrete Umsetzung geht, schlagen sie sich dann aber in die Büsche.“

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